The gods must be crazy

Habe gestern den Film gesehn, hat aber nichts mit dem Thema zu tun.

Ich bin zurück. Aus dem Dschungel. Aus dem Irrenhaus. Meine Güte, wie lange war ich in dem Waschsalon??? Es können nicht mehr als eineinhalb Stunden gewesen sein. Wieviele Verrückte, Geistesgestörte und Wahnsinnige ich gesehn habe? Zu viele…

Ich betrete nichtsahnend den Wasch“salon“, wobei es Salon nicht ganz trifft. Nennen wir es Waschschabracke. Verrückte Frau Nummer 1 kommt bereits auf mich zu, während ich das Gebrauchanleitungsschild lese. Sie liest es mir in tiefem bayrisch vor. Ich sage ich käme schon zurecht, danke ihr höflich. Nummer 1 zieht beleidigt ab. Während ich die Maschine einräume, unterhält sich Nummer 1 mit der altersgleichen Mitt 120er Frau (nennen wir sie der Nummerierung halber Nummer 2) neben ihr.

1(plärrt): Mei Mo, der woit ja ned, dosser vobrennt wiad. Oba mai, wia i gseng hob wiafui des kost, do honni glei ins Krämatorium (sie spricht es wie Crème-matorium aus) gfohn.
2: Ah geh des konnst ja ned mocha! So konner doch goa ned wiada aufsteh, ausm Bon, und kimmd ned in sei zwoats Lem nei!
1: Ah geh des glaubst ned wirkla, doss sowas gibt!
2: Ah geh freilich irgand oan Gott wiads scho gem!
1: Ah geh …

Die tiefgreifende Theologische Dikussion hält an. Ich schalte meine Waschmaschine namens Fritz ein (die hab nicht ich so getauft!) und lese 7 Seiten bezüglich der ecole maternelle. Eine Frau mit wirren, grauen, an allen Seiten abstehenden Haaren betritt den Salon. Zu diesem Moment weiß keiner von uns, dass sie die Königin des Irrenhauses ist. Daher taufte ich sie irreführend auf den Namen Nummer 3.

Nummer 3 steht vor der Türe, kriegt sie nicht auf, die Tür öffnet sich nach außen, sie aber drückt. Ich öffne ihr freundlich die Türe, sie sieht mich verwirrt an. Weiß scheinbar nicht, ob sie mir trauen und eintreten kann. Geschlagene 30 Sekunden benötigt Nummer 3 um ins Innere zu gelangen. Ich kehre zurück zu meinem 7 seitigen Text über die deutsche Grundschule in Zahlen und Fakten. Nach zwei Seiten steht Nummer 3 mit großen Augen vor mir. Ob ich Kleingeld habe, sie hat nur einen 20er dabei. Ich verneine, bin selbst arm wie eine Kirchenmaus. Sie schlurft von dannen. Hantiert ewig und zwei Tage lang am Zahlautomaten herum, während 1 und 2 sie anfunkeln (die wurden auch schon angepumpt). 3 geht zum nahegelegen Bäcker.

2: Ah geh, wia bled komma sei, doss ma koa Kloageyd hod, wemma zum Woschn gäd?!
1: Ah geh, de Frau hods jo nimma alle!

Mein Text handelt nun davon, inwiefern man mit Kindern in einen philosophischen Disput kommen kann. Ein großes wuschiges Gesicht erscheint in meinem Augenwinkeln. Nummer 3 fragt mich nach Stift und Papier. Ich krame in meiner Tasche, finde beides, will ihr grade beides geben. Sie kommt auf die glorreiche Idee ihre eigenen Taschen zu durchforsten, findet ebenfalls beides. Strahlt mich an. Kritzelt wirres Zeug, steht am defekten Kaffeeautomaten.

3 (erklärend für alle Anwesenden): Der Automat ist kaputt.
1&2 schütteln nur den Kopf.

Wäsche ist fertig, ich pack sie in den Trockner Anja. Nummer drei steht neben mir, und fängt zu weinen an. Ganz stumm und leise, ich hätte es vermutlich gar nicht bemerkt.

1: Gähts eana ned guad?
2: Worum frogst ez des?
1: Na sie blärd, des siggt ma doch.
3: Ich bin nur ein bisschen traurig.
2: Wos is’s?
1: I woas a ned.
3: Ich bin nur ein bisschen traurig.
2: Woanad is.
1: Ja donn.

Anja für ihre Dienste bezahlt, weiter im Text. Schon wieder Nummer 3.

3: Rauchen sie?
Ich: Nein, aber ich habe Feuer, wenn sie das meinen.
3: Trinken sie?
Ich: Naja manchmal…?
3: Trinken sie Kaffee, Wasser, Tee?

Langsam fühl ich mich noch unwohler. Ich frage sie, wozu sie mir diese Fragen stellt. Sie gibt keine Antwort. Ich ziehe einfach mein Wasser aus meinem Rucksack, nehme einen Schluck und wünsche mir es wäre etwas stärkeres.

Anja hat fertig geblasen, meine Wäsche ist immer noch etwas feucht. Für weitere 50 Cent (O-Ton Nummer 1 „Pfennig“) schmeiß ich sie nochmal an. Frau mit Hund betritt den Raum. Mit ca. 50 Jahren ist sie die zweitjüngste Person im Raum, nach mir versteht sich. Sie hat einen Hund dabei. Sie liest die Anleitung. Nummer 1 hechtet mit ihrem Schlurfschritt bereits auf sie zu. Liest es ihr vor. Es stellt sich raus, dass der Neuankömmling (wenig später erkenne ich in ihr die Nummer 4) noch gar keine Wäsche mitgenommen hat.

4: Ich hab sowas noch nie gemacht. Ich will hier nur meine Sportwäsche waschen. Und meine Bettlaken, ich habe nämlich ein so kleine Wohnung, das passt da gar nicht hin. Gibts hier denn auch Toiletten?
3: Der Kaffeeautomat ist kaputt.
1: Ah geh, do gibts koane Doalättn herinn.
4: Ach wie süß, die ganzen Geräte haben ja alle Namen. Wie funktioniert das denn hier?
2: Des hot koan Sinn, dass ma eana des etz erklärn, des hamms ja sowieso wieder vogessn, biss dahoam sand.
4: Gibts hier Toiletten?
2: Na.
4: Und was für Sachen tu ich in die Maschine, wo „Tier“ draufsteht?
3: Die Sachen die ihr Tier so benutzt, Also zum Beispiel Decken.
4: Ach dann kann ich in die Maschine wo „Tier“ draufsteht, Sachen reintun, wie Decken oder Kleidung – ach nein, mein Hund hat ja gar keine Kleidung. Das ist ja interessant.

An dieser Stelle des Gesprächs kommt mir die Idee Nummer 4 in ebendiese Waschmaschine zu stecken. Meine Wäsche ist fertig. Ich packe schnell zusammen, um zu gehen.

2: I geh hoam. Dahoam sterm de Leit.

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “The gods must be crazy

  1. Ich sitze gerade hier und halte mir die Seiten vor Lachen!
    Willst du nicht ein Buch schreiben? Das gibt bestimmt in kürzester Zeit Stoff für eine ganze Serie ;-)

  2. Anna

    Uiuiui. War das der in Kumpfmühl? Wusste schon immer das hier komische Menschen wohnen ;-)

  3. Muhahahaha, wir brechen ab vor Lachen. Bitte mehr davon!

  4. derPapa

    Alles gelogen! Die gibt es gar nicht: weder die 4 Frauen noch den Hund. Und der Waschsalon ist sicher auch erfunden. Aber herrlich erfunden! Wir wollen mehr davon. Und nachher machen wir ein Kammerspiel draus oder ne Serie fürs Vorabendprogramm. Und Dein erster Fan ist

    derPapa

  5. Silke

    „Wenn wir bedenken, daß wir alle
    verrückt sind, ist das Leben
    erklärt!“ (Mark Twain)
    ;-)
    Herrliche Geschichte! Und ich bin neidisch, dass es da wo Du wohnst einen Waschsalon gibt…. ich würde töten für einen Wäschetrockner!

  6. Naja Silke, der Waschsalon ist 10 Minuten mit dem Rad entfernt^^ Und teuer ist das Teil! Vielleicht bezahl ich einfach meine Freundin damit sie die Wäsche in ihre Maschine steckt *Schovi bin*

  7. Nur noch ein paar Einträge, die dann zu einem Buch binden lassen, das wird Bestseller.. und schon ist die Waschmaschine bezahlt :D.

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