„Arbeit Arbeit“, sagte der Peon

Kaum zu glauben, aber eine Woche arbeite ich jetzt hier, bei der Gamestar in München.

Einerseits kommts mir kurz vor, ich denke ständig, ich sei mitten unter der Woche, dabei haben wirs Freitag nachmittag, und ich seh die ersten Kollegen in ihr Wochenende starten. Von Anfang an wurde ich zugebombt mit Arbeit, so wie ich das mag. Nein, mögen trifft den Kern der Sache nicht ganz. Ich LIEBE es. Ich hatte schon fast vergessen, wie befriedigend es ist, Dinge zu erledigen. Als Student hat man diese Freude kaum; man schaufelt Wissen in sich hinein, Wissen von dem man wünscht, es würde nicht existieren, und leise sich sogar fragt, ob es Leute stören würde, wenn dieses Wissen von einem Tag auf den anderen nicht mehr existieren würde.

Hier habe ich mit profanen Dingen zu tun, wie Leserbriefen, in denen ich gefragt werde, warum die Sims-Menschen nicht im Meer baden können. Ja, ihr habt richtig gehört, eine meiner zahlreichen Aufgaben hier ist es, Leseranfragen zum Sims Magazin zu beantworten. Manchmal gehen einem bissige Gedanken durch den Kopf, andere treiben einem die Lachtränen in die Augen. Dann gibt es da natürlich noch die Aufgaben, von denen man immer gehört hat, sie würden das Gesamtarbeitsbild des Praktikanten ausmachen. Wasserkästen aus dem Untergeschoss 2 holen, und dem Büro zukommen lassen. Das macht zwar nicht viel Spaß, aber wenn man was zum Trinken um sich haben will, sollte man es tun.

Und zu guter Letzt, gibts es die RICHTIG befriedigenden Arbeiten. Fehler ausmerzen in Berichten, Zeilen angleichen, Bildunterschriften umschmeißen, Artikel auf inhaltliche Fehler untersuchen. Das klingt nicht so spannend. Ist es auch nicht. Aber dann gibt es da eine Sache, die mich persönlich total flasht. Am Ende jedes Artikels setzt der Korrektor (der Auto kommt ganz vorne hin) sein Zeichen, rotes Viereck mit den Initialen. Und dieses MH dort am Ende hinzusetzen, das fühlt sich an, als wäre mann der Mann auf dem Mond, mit einer kleinen US-Flagge. Vermutlich bemerkt es der 08/15 Erdbewohner / MMO-Gamestarleser nicht, dass dieses kleine etwas zu bedeuten hat, aber das tut es. Zumindest für mich persönlich.

Mein bisher bestes Erlebnis? Einer meiner zahlreichen Chefs (ich glaube in diesem Laden ist jeder mein Chef, dennoch insistiert jeder drauf, ihn Klaus, Peter oder Steffi zu nennen) kam hereinspaziert.

„Hast du um 12 nen Termin?“

Ich verneine.

„Jetzt hast du einen.“

Wie im Film, und da ist der erste Moment im Business. Ich soll mich von 2 Firmenfuzzis berieseln lassen, die wollen unbedingt was über ihr Spiel erzählen. Klar, warum nicht. Die beiden sind Russen, sprechen nur Englisch, sind aber höflich und haben ne nette Flasche Vodka dabei. Und ein paar Überraschungstüten für jeden von uns. Auch für mich, wobei sie vermutlich keinen Plan haben, dass ich der kleinste Fisch hier im Gewässer bin. Tolles Gefühl. Nach geschlagenen 2,5 Stunden (meine Mittagspause war sang- und klanglos untergegangen) entlasse ich die beiden dann. Gehe an dem Tag spät nach Hause, hab sicher 9-10 Stunden geackert, mit ner halben Stunde Mittagspause.

Aber das macht nix. Ich steh drauf. „Arbeit Arbeit“ imitiere ich einen Peon aus einem Fantasy Spiel. Setz die Kopfhörer auf, und geh vergnügt heim. Endlich hab ich wieder was zu tun in meinem Leben.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Über mich, Computer & Peripherie

Eine Antwort zu “„Arbeit Arbeit“, sagte der Peon

  1. Silke

    Willkommen in der Arbeitswelt :-) Wenn Du sowas mal 12 Jahre gemacht hast, schleppst Du Dich dann von Urlaub zu Urlaub *g*

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