Durchschnaufen und eine Hütte voller Nerds

Nach den Geschehnissen der letzten Woche möchte ich meine Meinung zum Thema Studentenleben = Lotterleben revidieren. Soll heißen, dass so ein Student auch mal verdammt hart arbeiten muss. Anfang letzter Woche wurden nämlich die ersten Übungen ausgeteilt. 4 an der Zahl. Hört sich nicht viel an. Bedenkt man, dass pro Übung man mit 2-5 Stunden Arbeit rechnen kann, dann ist das verflucht viel. Und im Gegensatz zu rund der Hälfte meiner Kommilitonen kannte ich mich kein Stück weit mit UML-Diagrammen, Klassen, Methoden, Java oder logischer Mathematik aus.

Aber trotzdem hat mans irgendwie hinbekommen, Leute gesucht, die mehr können als man selbst, hat sich Sachen zeigen, rechnen und programmieren lassen, und irgendwann fiel der Groschen. Und da ist man dann froh, wenn einem eine Konsole ausspuckt, dass „Fahrer Hans in Konstanz erstellt wurde“ und „in das Auto vom Typ Golf eingestiegen ist“. Man ist froh, wenn einem der Übungsleiter am Sonntag morgen auf die Übung anspricht und fragt, ob man das ach so gute UML-Diagramm von der Funktionsweise einer Bank nicht vor der gesamten Übungsgruppe vorstellen möchte.  Man ist froh, wenn man Freitag abend die Übungen hochlädt, und man erträgt es irgendwie leichter, dass die nächsten 4 Übungen zum Download bereit stehen. Aber immerhin hat man an diesem verlängertem Wochenende ein wenig Zeit, sich mal andere Sachen durch den Kopf gehen zu lassen. Zum Beispiel was letztes Wochenende so abging.

Ersti-Hütten-Wochenende WS 2010/2011

Als Ersti hab ich mich natürlich riesig auf die Hütte gefreut. Endlich mal die Leute ein bisschen näher kennenlernen, die man sonst nur von der Seite aus der Vorlesung kennt. Und dafür gings 60 km weiter südlich ins schöne schwizerdütsche Steg, auf eine Hütte am Berg. In Fahrgemeinschaften fuhren wir bis zum Fuß des Berges, ließen die Autos stehen und machten uns mit Rucksäcken an den Aufstieg mit gefühlten 80% Steigung. Nur die wichtigen Mitglieder der Fachschaft (*hust* die Faulen!) durften mit einem Auto direkt bis zur Hütte fahren. Für den Rest der Leute hieß das Laufen. Und da der durchschnittliche Informatiker vom Wandern so viel Ahnung hat wie ein Elch von russischer Philosophie, dauerte es seine Zeit, bis alle die Hütte erreicht hatten. Mittlerweile war es bereits dunkel geworden, und die ersten Biere gingen zischend durch die Runde.

Als lustiges, nettes und absolut soziales Kennenlernspiel wurde eine Runde Mörder initialisiert. Für alle die noch nie in den Genuss dieses Spiels kamen, hier ein kurzer Abriss. Alle Spieler erhalten einen Zettel mit dem Namen ihres Opfers. Getötet wird durch Übergabe eines Gegenstandes vom Mörder an sein Opfer, welcher dann den Zettel seines Opfers erhält und weitermordet. Für die Praxis heißt das, dass niemand mehr einen Gegenstand von jemand anderen mehr nimmt, jeder steckt die Arme unter die Achseln und weigert sich seinen Namen preiszugeben. Und das Spiel dauert die gesamte Hüttendauer. Wie gesagt, sehr sozial dieses Spiel. Da ist dann Kreativität gefragt:

– unter Stöhnen behaupten man habe sich die Hand verbrüht, und der Gegenüber solle doch BITTE schnell den Wasserkocher abnehmen

– beim Kartenausteilen, als freiwilliger Kartengeber fungieren, nur um das Opfer kaltzumachen

– geschickt die Plätze tauschen, so dass man beim nächsten Bierholen seinem Opfer eins kollegial zureichen kann

– neben dem Tischtennistisch stehen und tödlicher Balljunge spielen

– früh morgens dem Morgenmuffel freundlich und gut gelaunt die Safttüte reichen

– nett ne Runde Zigaretten ausgeben

Aber es wurden noch andere Aktivitäten gemacht, außer Leuten Freundlichkeit vorzuspielen um sie umzubringen. So sind wir zum Beispiel am zweiten Tag auf den Gipfel des Berges gewandert, auf einem Weg, bei dem die Bezeichnung „Der schmale Grat“ eine Untertreibung gewesen wäre. Links Steilhang nach unten, rechts Steilhang nach oben. Aber trotz schwierigem Terrain, und haufenweise Laub haben wir den Gipfel erklimmen können und wurden mit einer Hammeraussicht belohnt. Nach einem windigen Gruppenfoto machten wir uns an den Abstieg, diesmal über eine geteerte Straße, auf der uns zahlreiche Radfahrer im gefühlten 0,1. Gang fuhren.

Fotos: Stephan Hedinger

Am Abend gings nach einem hammerleckeren Abendessen zum 2. großen Spiel der Hütte (ja, wir haben ALLE den Spieltrieb!), nämlich die Werwölfe von Düsterwald. Hierbei geht es darum, unter allen Spielern die Werwölfe herauszufinden. Und da wir Informatiker ein trinkfestes Volk sind, kam uns auch bald jegliche Logik im Spiel abhanden, und es wurden einfach diejenigen getötet, die entweder zuviel redeten, zuwenig redeten, die einen Bart hatten, die Frauen waren, die in der Fachschaft waren, die neu am Tisch saßen, die die letzten 5 Spiele auch schon wehrlose unschuldige Bürger waren oder diejenigen, die die letzten 5 Runden auch schon blutrünstige Werwölfe waren. Sprich, alle. Und so ging es Samstag nacht (wohl eher Sonntag morgen) für alle recht spät ins Bett.

Glücklich, müde und echt kaputt gings dann am Sonntag wieder heim Richtung Bodensee. Aber nicht ohne ein dreifaches Lob Lob Lob auf die echt gut von der Fachschaft organisierten Ersti-Hütte.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Über mich, Computer & Peripherie

Eine Antwort zu “Durchschnaufen und eine Hütte voller Nerds

  1. Anna

    Ich liebe das Werwolfspiel, das hab ich auch das erste Mal auf meinem Ersti-WE gespielt. Ich wurde auch so oft umgebracht, nach einem gewissen Glühweinkonsum ist das auch nicht mehr objektiv ;)
    Schön, dass du soviel Spaß hattest.

    Lg Anna

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