Frankfurt spontan

Seit ich denken kann spiele ich Spiele. Nicht nur Brett- und Kartenspiele. Wenn man mich nach Kindheitserinnerungen fragen würde, würde ich mich an Dinge erinnern, wie Monkey Island, Simon the Sorcerer, Das Schwarze Auge, Chewy – Escape from F5 oder Lands of Lore. Wenn ich mich sogar richtig erinnere habe ich mir Schreiben aus dem Grund beigebracht, weil ich den Dos-Befehl wissen wollte um diese ganzen Spiele zu starten.

 

Kein Wunder, dass es mein geheimer Berufswunsch war, wenn man mal groß wäre, Spiele zu entwickeln. Und doch hab ich mich all die Jahre gefragt, ob es sowas überhaupt gibt. Ob man diesen Job einfach ergreifen könne, oder ob es eine Kleinkindvorstellung á la Astronaut war. Um die Frage jemandem stellen zu können, der jede Menge Ahnung hat, habe ich letztes Wochenende zusammen mit einem alten Freund die Making Games Talents 2010 in Frankfurt besucht, eine Rekrutierungsmesse (150 offene Stellen auf 150 Besucher) mit Firmengrößen, bei denen jeder der Ahnung von Spielen hat, zu sabbern beginnt.

Frankfurt erlebte ich am Freitag abend als nass, aber irgendwie herzlich. Pennerpaare die sich gegenseitig verbal fertigmachen, überall riecht es nach Urin, schließlich steht man ja am Hauptbahnhof und Taxis hupen die Radfahrer von den Straßen. Endlich mal wieder Großstadt. Die Nacht verbrachten wir mit ein paar Cidern und zwei Herren aus Leeds in einer Jugendherberge. Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Messe Gelände, wo wir bereits von einem Catering-Service empfangen wurden.

In einem 20-minütigen Firmensprint (3 Minuten Vorstellung pro Firma) , stellten sich die jeweiligen Firmen bei uns vor, und warum wir uns gerade für sie entscheiden sollen. Schnell wurde in den Präsentationen klar, wie viel Wert die Firmen auf weiche Standortvorteile legten, überall wurde geworben mit Firmenereignissen, Kickertischen und Feierabendevents, die mich spontan an die Veltins-Veierabend-Werbung denken ließen. Anschließend hielt jede Firma einzeln einen 30 minütigen Beitrag über die genaue Firmenpolitik, Strukturierung, Statistiken etc. Währenddessen konnte man in einem separaten Raum ins Zwiegespräch mit den Entwicklern, Personalern und Firmenchefs kommen.

Ich gehörte zwar nicht zu denjenigen die bereits mit einer Bewerbungsmappe wedeln konnten, aber trotzdem ließen sich Gespräche nicht vermeiden. Regelmäßig kamen die Leute auf einen zu, wenn sie grade nicht überrant wurden, und fragten mich nach meiner Ausbildung, nach meinen Berufswünschen. Auf die Art und Weise habe ich bereits jetzt schon Angebote bekommen, bei Firmen in 2 Jahren meine Bachelor-Arbeit zu schreiben, oder bis dahin als Freelancer bei ihnen zu jobben, im Bereich Tester zb. Irgendwie habe ich ständig darauf gewartet, dass jemand meine Kindheitsvorstellungen wie eine Seifenblase platzen lässt, und da nach einer Stunde es immer noch niemand getan hatte, sprach ich den Global Talents Searcher von Crytek (FarCry, Crysis 1&2, Entwickler der CryEngine) auf exakt dieses Thema an.

„I am a Game Designer“, eröffne ich das Gespräch mit einem Zitat aus einem in der Branche bekannten Buch von Jesse Schell. Er lächelt mich an, wir reden. Und reden. Und reden. Es gibt keine Blase. Klar es gibt viel harte Arbeit, aber jemanden der mein Studium zu Ende macht und programmieren kann, der wird händeringend gesucht. Das Mit-am-Spiel-Designen kommt von alleine dazu. Nach einem 6 monatigen Praktikum bei ihnen stehen die Chancen bei 95% Übernahme, wenn ich dabei bleiben will. Ich frage ihn nach den restlichen 5%. Die werden von anderen Spielefirmen abgeworben, für bessere Konditionen meist. Mir hängt die Kinnlade bis zu den Knien. Ich bedanke mich, staube 2 T-Shirts ab und rede ab dem Zeitpunkt mit jeder Firma, mit jedem Personaler.

Jetzt weiß ich, was auf mich zukommt. Ich weiß, was die Firmen von mir erwarten, welche Arbeitsproben ich in den nächsten drei Jahren beschaffen werde, weiß, wie ich Leute von mir überzeugen kann.  Die ersten Zeilen in Jesse Schells Buch „The Art of Game Design“ handeln übrigens genau von dem, wovor ich all die Jahre Angst hatte. Sich in einen Traum verliebt zu haben, der nicht existiert. Die Zeilen sind an einen selbst gerichtet und können als Mantra immer wieder wiederholt werden.

I am a Game Designer.

I AM a Game Designer.

I am a GAME Designer.

I am a Game DESIGNER.

 

Wir werden sehn, was die Zukunft bringt.

 

 

 

 

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Über mich, Computer & Peripherie

3 Antworten zu “Frankfurt spontan

  1. Die Bilder sind diesmal aus irgendeinem Grund viel zu groß geworden, solltet ihr Probleme haben, etwas zu sehn, hier der Link zu meinem Picasa-album: http://picasaweb.google.de/moritz.holzapfel/MakingGamesTalents2010Frankfurt#

  2. Hey, das klingt ja super. Und, machst du den Tester als Nebenjob? Um nen Fuß in die Tür zu kriegen sicher gar nicht so schlecht.

    Überhaupt – mit einem Ziel vor Augen studiert sichs gleich nochmal besser ;).

    Einen guten Start wünsche ich.

  3. Silke

    waaaaaaaah, Du warst in der Nähe und hast keinen Ton gesagt? Schäme Dich Du Gamedesigner -.-
    Schön, dass Du trotzdem Spaß hattest ;-)

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