Erziehung, und was die Folgen sein können, wenn man sie nicht anwendet

Ich gehe gerne zu McDonalds. Meine Mutter würde diesen Satz sicher nicht gerne hören, ebenso wenig mein Vater. Zum guten Essen bin ich trotzdem erzogen worden, aber der Reiz an FastFood ist immer noch da.

Heute war die Zeit mal wieder genau richtig, man muss zu einem „voll dufte knorke“ Zivitreffen, einem sogenannten Reflexionstag, bei dem man die erlebte Zeit, nochmal gemeinsam als Gruppe Revue passieren lässt. Und weil sowas unter Umständen ganz schön dauert, muss man vorher irgendwas essen. Und genau das ist der Mäckes für mich: „irgendwas essen“. Ein kluger Mensch hat mir einmal erklärt, dass man einfach unterscheiden muss zwischen dem kulinarischen „Essen“ und der profanen „Nahrungsmittelaufnahme“. Und mit dieser Einstellung ging ich heute also zielstrebig zum Güldenen M. Der Wrap ist wenigstens gut gefaltet, so dass nichts herausfällt.

Ich setze an mich an die Sorte langer Tisch mit Barhocker, der von beiden Seiten aus besetzt werden kann, die Kunden sitzen sich hier gegenüber. In meinem Falle ist das ein etwa 6 Jähriges Kind, volles Gesicht, kurz geschorene Haare, trotziger Blick. Vor ihm liegt ein verpackter Strohhalm. Ich stelle mein Tablett ab, drehe mich um und nehme mir ebenfalls einen Strohhalm. Wieder umgedreht, hat der Junge den Strohhalm ausgepackt, die Papierverpackung in Fetzen gerissen und steckte sich gerade Papierkügelchen in den Mund. Er setzt das selbstgebastelte Blasrohr an, guckt mich mit nihilistischem Blick an, ich erwider ihn stoisch. In dem Moment, als ich mir sicher bin er schießt, oder besser gesagt spuckt, sehe ich hinter ihm eine exakte Kopie von ihm, rund 30 Jahre älter, der dem Jungen über den Kopf streichelt und ihm irgend etwas sagt (ich habe generell in der Öffentlichkeit Kopfhörer auf, selbst wenn mein MP3-Player schon lange keinen Saft mehr hat). Er setzt das Blasrohr ab, kippt seine Packung Pommes über das Tablett, reißt die zwei Päcken Mayo auf und questscht den Inhalt über die Pommes. Mit den beiden Ketchup Päckchen verfährt er ebenso. Als sein Vater sich neben ihn setzt und einen frittierten Kartoffelstick nimmt, fängt er einen tadelnden Blick ein. Die Mutter sitzt zur anderen Seite des Jungen, einen Hand lässig im Kinderwagen, in dem ein Baby schläft, die andere Hand stützt ihr Gesicht, als würde es von alleine nicht halten. Der Junge kaut unaufhörlich, sein Gesicht und meins sind keine 30cm entfernt, ich blicke ihm immer noch in die kleinen Schweineäuglein. Er greift sich den Hamburger (ein kleiner Exkurs in die Menüauswahl von MacDonalds: Hamburger sind die exakte Kopie von einem Cheeseburgers, der hat ein Blatt Chemie-Käse mehr, kostet aber dasselbe. Worin liegt also die Existenzbegründung eines Hamburgers? Die einzige Möglichkeit wäre zu sagen, man mag dieses Käse-Imitat nicht, doch warum sollte man dann überhaupt noch zum Mäckes gehn??? anyway), hält ihn mit deinen Speckfingern seinem Vater hin und sagt mit quengelnder Stimme, die ich sogar durch meine Geräuschisolierung meiner Kopfhörer vernehme

Mach die Gurken weg, die sind eeekliiiihiiiiig!

Das Schlimme ist, der Vater tut das Ganze anstandslos: er nimmt die obere Semmelhälfte ab, pult die zwei Scheiben Gurken hervor, und gibt den Hamburger an seinen Sohn, der zufrieden das Schmatzen wieder aufnimmt. Mutter und Vater sehen während des Essens ausdruckslos an die Wand hinter mir, zumindest ist das die gemeinsame Blickrichtung. Nach 2 Minuten richtet der Vater das Wort an den Sohn, der aufgehört hat zu essen, obwohl noch ein zweiter Hamburger vor ihm liegt. „Hast du keinen Hunger mehr?“

Maaaaaaaaaaaaaaaaann, da sind doch noch die Gurken driiiihiiiiin!

Erneut erledigt der Vater die schmutzige Aufgabe, fragt den Sohn schmunzelnd, ob er wenigstens einen Bissen abhaben dürfe, dieser blickt ihn grimmig an. Bei Essen versteht er anscheinend keinen Spaß.

Plötzlich weiß ich warum in Deutschland so wenig Paare Kinder haben, oder sie wollen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Über mich, Food

2 Antworten zu “Erziehung, und was die Folgen sein können, wenn man sie nicht anwendet

  1. Lol! Gut, dass wir inzwischen diese Phase überstanden haben ;-)

    Viel Spaß weiterhin bei der Nahrungsaufnahme beim goldenen M.!

  2. meine eigene Mutter sagt „lol“. Wie peinlich ;)

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